Im Mai 2025 hat ep-cm eine neue Niederlassung in Merseburg eröffnet. Für unser Unternehmen ist das mehr als ein weiterer Standort: Nur wenige Kilometer entfernt, in den Leuna-Werken, hat 1977 die Geschichte begonnen, aus der ep-cm hervorgegangen ist. Andrea Weingart hat meinen Vater Josef Angeli und mich dazu für das Leuna-Echo Magazin befragt. Hier die wichtigsten Stationen – mit seinen und meinen Worten.
1977: das erste Großprojekt in Leuna
Josef Angeli kam als Österreicher in die damalige DDR. Sein Arbeitgeber, ein österreichischer Konzern, führte 1977 ein Großprojekt in der Raffinerie der Leuna-Werke durch.
„Das Projekt lief bis 1978 – und ich bin gerne geblieben. In den Jahren danach betreute ich zahlreiche Projekte in der damaligen DDR, insbesondere in Leuna, Buna, Schwedt und Eisenhüttenstadt – bis zur Wende und darüber hinaus.“ 1986 kehrte er nach Leuna zurück und übernahm die Projektleitung für die Aktivitäten des Konzerns im gesamten Chemiedreieck.
Zuvor war er in Polen und in der damaligen Tschechoslowakei im Einsatz. Leuna war dagegen ein spürbarer Unterschied in der Arbeitskultur – nicht nur wegen der gemeinsamen Sprache. Was ihn damals beeindruckt hat, ist bis heute der Maßstab unserer Arbeit:
„In den Leuna-Werken erlebte ich ein hohes Maß an Arbeitssicherheit, Qualitätsbewusstsein und Leistungsbereitschaft – ganz ähnlich wie in meinem damaligen österreichischen Konzern.“
Nach der Wende: geblieben
In der Wendezeit schlug Josef Angeli seinem Arbeitgeber vor, ein neues Unternehmen zu gründen. Daraus entstand eine Konzerntochter in Leipzig, die 1991 als eigenständige Gesellschaft nach Leuna zog und rund 40 Mitarbeitende aus der Instandhaltung der Leuna-Raffinerie übernahm. 1994 war er maßgeblich an einem Outsourcing-Projekt beteiligt, bei dem über 450 Beschäftigte der Leuna Raffinerie Gesellschaft übernommen wurden – ein Meilenstein, der den langfristigen Erfolg dieser Gesellschaft sicherte. Sie besteht in ähnlicher Form bis heute.
2005: die Gründung von ep-cm
Nach der Trennung von seinem damaligen Arbeitgeber gründete Josef Angeli 2005 die ep-cm project management GmbH. „Von Beginn an war unser Anspruch, nicht nur regional, sondern auch international tätig zu sein.“ In den Jahren danach hat ep-cm Turnarounds und Projekte in Marokko, den USA, Kanada, Katar, Österreich und Rumänien umgesetzt.
Die zweite Generation
Ich bin in Eisenhüttenstadt geboren und habe große Industrieanlagen schon als Kind erlebt. Rückblickend war mein Weg wohl vorgezeichnet: Mein erster beruflicher Einstieg war ein Praktikum in Leuna, später habe ich bei einem Turnaround mitgearbeitet – im Lager und direkt in der Anlage. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Betriebswirtschaft ging ich 2010 für zwei Jahre zu unserem Unternehmen nach Los Angeles, 2012 folgte ein Jahr in Marokko. Dort wurde der Grundstein für mein heutiges Verständnis von Turnaround- und Projektmanagement gelegt. 2013 kam ich in die Geschäftsführung.
Ob mein Vater das so geplant hatte, frage ich mich bis heute. Es war die beste Entscheidung, die ich mir vorstellen konnte. An ihm schätze ich besonders seine Offenheit für Veränderung und seinen Mut, kalkulierte Risiken im Sinne des Unternehmens einzugehen – ohne dabei jemals den sozialen Aspekt aus den Augen zu verlieren.
Genau das macht uns als Familienunternehmen stark: Weitblick, Verantwortung und ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitenden und Kunden.
Was ep-cm heute macht
Wir sind ein spezialisierter Dienstleister für Turnarounds und Investitionsprojekte in industriellen Prozessanlagen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Planung und Ausführungskoordination von Anlagenstillständen sowie auf der Projektsteuerung bei Großprojekten. Wir unterstützen unsere Kunden entweder als beratender Partner oder übernehmen definierte Leistungspakete – immer mit dem Ziel einer sicheren, effizienten und termingerechten Umsetzung.
Dazu kommen zwei weitere Bereiche. Mit dem TAR-Check analysieren wir, wie leistungsfähig eine Turnaround-Organisation heute ist, zeigen, wo sie sich verbessern kann, und begleiten die Umsetzung. Und über Staffing stellen wir Fachleute für Turnaround- und Projektorganisationen bereit – genau dort, wo beim Kunden eigene Kapazitäten fehlen.
Warum Mitteleuropa
Viele Jahre waren wir international unterwegs, unter anderem in den USA, in Kanada, Nordafrika und im Mittleren Osten – mit Zeitunterschieden von bis zu zehn Stunden. Das war in der täglichen Zusammenarbeit oft herausfordernd. Als vergleichsweise kleines Unternehmen haben wir uns deshalb bewusst entschieden, unsere Arbeit auf Mitteleuropa zu konzentrieren. Hier sind die Wege kürzer, die Zeitzonen nahezu gleich und die Art der Zusammenarbeit ist uns näher. Das macht uns schneller und verlässlicher – und die Ergebnisse für unsere Kunden besser.
Warum Merseburg
Im Chemiedreieck sind wir seit vielen Jahren aktiv, mit vielen Anlagenbetreibern vor Ort verbindet uns eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die Büroräume in Merseburg waren deshalb nur konsequent: Sie bringen uns näher an unsere Kunden und geben unserem wachsenden Team in der Region eine feste Anlaufstelle. Rund 20 erfahrene Fachleute arbeiten bereits von hier aus. Das Ziel ist ein starkes Turnaround- und Projektteam für die ganze Region.
Für meinen Vater ist Merseburg zugleich eine Rückkehr:
„Die Eröffnung unserer Niederlassung in Merseburg fühlt sich für mich wie eine Rückkehr an – zurück zu meinen beruflichen Wurzeln im Chemiedreieck Mitteldeutschlands. Und es ist bewegend, dass mich heute noch Menschen aus dieser Zeit wiedererkennen.“
Er fühlt sich dieser Industrie- und Kulturlandschaft bis heute tief verbunden, mit den Menschen genauso wie mit der Region. Hier hat er nicht nur beruflich gewirkt, sondern auch seine Familie gegründet, und viele Freundschaften aus dieser Zeit bestehen bis heute.
Fachleute, die wir selbst ausbilden
Passende Fachleute zu finden, ist in unserem Arbeitsfeld eine echte Aufgabe. Einen klassischen Ausbildungsberuf für das, was wir tun, gibt es nicht. Deshalb haben wir 2015 die ep-cm Academy gegründet. Inzwischen haben wir dort über 80 Mitarbeitende geschult, vor allem in Turnaround-Planung, Terminplanung, Cost Controlling und Projektsteuerung. In unseren Schulungsräumen in Gelsenkirchen lernen jeweils drei bis fünf Teilnehmende zusammen.
Wir richten uns vor allem an erfahrene Praktiker – Bauleiter, Vorarbeiter, Richtmeister oder Techniker mit gutem technischem Verständnis –, die sich weiterentwickeln und neue Aufgaben übernehmen wollen: in Richtung Projektsteuerung, Turnaround-Management und digitale Arbeitsmethoden. Gerade für unsere Turnaround-Teams vor Ort suchen wir Menschen, die bereit sind, den Schraubenschlüssel gegen den Laptop zu tauschen. Wer das möchte, kann sich jederzeit bei uns melden.
Mein Vater sagt dazu: „Für uns hat die Zufriedenheit unserer Mitarbeitenden oberste Priorität. Wir sind ein echtes Familienunternehmen – und das merkt man auch im Alltag.“ Dieses Miteinander aus Respekt, Nähe und Verlässlichkeit ist ein Grund dafür, dass unsere Fluktuation seit Jahren sehr niedrig ist.
Grundlage dieses Beitrags und Quelle der Fotos ist das Interview „Von Leuna in die Welt und zurück ins Herz des Chemiedreiecks“ von Andrea Weingart im Leuna-Echo Magazin, Ausgabe Juli 2025, online im Leuna-Echo am 17. September 2025.