Wenn für einen Stillstand ein Planer fehlt, kommen meist zwei Arten von Profilen. Die einen beherrschen SAP und Primavera, haben aber noch keinen Flansch geöffnet. Die anderen kennen die Anlage von innen, haben aber noch kein Arbeitspaket am Bildschirm aufgebaut. Gesucht wird die Person dazwischen – und die ist auf dem Arbeitsmarkt selten.
Eine Rolle ohne Ausbildungsberuf
Technische Planung und Terminplanung im Turnaround verbinden zwei Welten: das Wissen, wie eine Anlage gebaut ist und wie Gewerke zusammenarbeiten, und die Methoden, mit denen daraus ein Plan wird. Technische Planung heißt, jede einzelne Arbeit so vorzubereiten, dass sie ohne Rückfragen ausgeführt werden kann – oft wird das auch Arbeitsvorbereitung genannt. Die Terminplanung fügt diese Arbeiten zu einem Ablauf für den ganzen Stillstand zusammen. Einen Ausbildungsberuf, der beides vermittelt, gibt es nicht. Wer es kann, hat es über Jahre in Anlagenstillständen gelernt.
Genau diese Generation geht jetzt in Rente. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft scheiden bis 2036 jedes Jahr rund 1,3 Millionen Menschen aus dem Arbeitsleben aus, während nur etwa 800.000 nachrücken. In einem Feld, für das es keine Ausbildung gibt, schließt sich diese Lücke nicht von selbst.
Was ein Praktiker anders plant
Wer selbst ein Gerüst gestellt oder einen Rohrbündel-Wärmetauscher gezogen hat, plant ein Arbeitspaket anders als jemand, der es nur aus der Zeichnung kennt. Drei Unterschiede sehen wir in unseren Projekten besonders oft:
- Der Plan rechnet mit der Anlage. Zugänglichkeit, Hebezeug, Wartezeit auf Arbeitsfreigaben: Wer das kennt, setzt realistische Dauern an.
- Abhängigkeiten fallen früher auf. Dass Isolierer, Gerüstbauer und Rohrleitungsbau an derselben Stelle arbeiten wollen, sieht ein Praktiker im Arbeitspaket – nicht erst als Konflikt in der Schicht.
- Die Mannschaft nimmt den Plan an. Supervisoren und Vorarbeiter folgen einem Plan eher, wenn er von jemandem kommt, der weiß, wie die Arbeit in der Anlage aussieht.
Eine Arbeit, die normalerweise einen Tag dauert, braucht im Turnaround oft zweieinhalb – allein durch Koordination, gegenseitige Abhängigkeiten und Arbeitsfreigaben.
So haben wir es im Bericht über den Turnaround in Leuna beschrieben. Diese Reibung lässt sich nicht ganz vermeiden, aber einplanen – und am besten plant sie jemand ein, der sie selbst erlebt hat.
Wie wir diese Leute aufbauen
Weil wir sie auf dem Markt nicht in ausreichender Zahl finden, bilden wir sie seit 2015 in der ep-cm Academy selbst aus. Über 80 Mitarbeitende haben wir dort geschult, vor allem in Turnaround-Planung, Terminplanung, Cost Controlling und Projektsteuerung. Gelernt wird in Gelsenkirchen in Gruppen von drei bis fünf Teilnehmenden.
Dafür suchen wir gezielt erfahrene Praktiker: Bauleiter, Vorarbeiter, Richtmeister und Techniker mit gutem technischem Verständnis. Sie bringen die Anlage mit, wir ergänzen Methode und Werkzeuge. Die Trainer stehen selbst in Turnarounds und Projekten, die Beispiele im Kurs sind echte Fälle. Wir bilden für unsere eigene Mannschaft aus: Wer die Academy durchläuft, arbeitet danach in unseren Turnaround-Teams – und damit für unsere Kunden.
Mehr als das eigene Arbeitspaket
Gute Planer kennen nicht nur ihre eigenen Arbeiten. Sie wissen, wie ein Turnaround als Ganzes funktioniert. Deshalb vermitteln wir in der Academy neben den Planungsmethoden auch das, was um die Planung herum geschieht:
- Der ganze Ablauf. Von der Definition über Planung, Vorbereitung und Ausführung bis zum Anfahren und Closeout – und welche Entscheidungen in welcher Phase fallen.
- Umfang und Scope-Freeze. Wie Arbeiten in den Umfang kommen, wie sie bewertet werden und warum Änderungen nach dem Freeze am schwersten einzuplanen sind.
- Die Gewerke. Rohrleitungsbau, Equipment wie Kolonnen, Wärmetauscher und Behälter, Elektro- und MSR-Technik – und wo sie sich in der Anlage in die Quere kommen.
- Die Werkzeuge. Instandhaltungssysteme wie SAP PM, Software für die technische Planung und Terminplanungsprogramme wie Primavera P6 oder MS Project.
- Arbeitssicherheit, Anlagensicherheit und Arbeitsfreigaben. Wie Freigaben, Freimessen und Isolationsmanagement den Ablauf bestimmen.
- Die Ausführung. Fortschritt in jeder Schicht messen, Abweichungen erkennen und gegensteuern.
Wer zu uns kommt, führt vorher ein Fachgespräch mit Leuten, die diese Arbeit selbst machen. Wir fragen nach konkreten Arbeitspaketen: Wie wurde ein Wärmetauscher-Wechsel vorbereitet, welche Abhängigkeiten gab es, was lief anders als geplant? An solchen Antworten erkennt man Erfahrung schneller als am Lebenslauf.
Wo die Grenzen liegen
Die Academy macht aus erfahrenen Praktikern gute Planer. Sie macht aus niemandem in wenigen Monaten einen Turnaround-Manager. Wer einen großen Stillstand führt oder die Planung für eine ganze Raffinerie verantwortet, braucht Jahre in solchen Rollen. Für diese Positionen setzen wir unsere Senior-Fachleute für Turnarounds oder erfahrene Fachleute aus unserem Netzwerk ein. Langfristig sollen auch Absolventen unserer Academy in diese Rollen hineinwachsen.
Auch eine gute Schulung ersetzt nicht die Einarbeitung in Ihren Standort: Werksnormen, Freigabeverfahren und Ansprechpartner lernt jede neue Person bei Ihnen kennen. Planen Sie dafür Zeit ein – digital lässt sich ein Teil davon vorziehen, etwa mit Onboarding Excellence. Und wenn eine Rolle außerhalb dessen liegt, was unser Netzwerk trägt, sagen wir das offen.
Was das für Sie als Betreiber bedeutet
- Planer, die schon im Team sind. Unsere technischen Abteilungen wachsen nicht nur über den Arbeitsmarkt, sondern aus eigener Ausbildung – auch dann, wenn der Markt leer ist.
- Von Praktikern geprüft. Ein Terminplaner wird bei uns von einem Terminplaner interviewt, ein technischer Planer von jemandem, der selbst Arbeitspakete schreibt, und von den Leitern der jeweiligen Fachabteilungen.
- Ein gemeinsamer Standard. Unsere Planer arbeiten alle mit denselben Methoden. Das zählt, sobald mehrere Personen in Ihrer Organisation zusammenarbeiten.
- Kontinuität. Unsere Fluktuation ist seit Jahren sehr niedrig. Wer Ihre Anlage im letzten Stillstand kennengelernt hat, steht beim nächsten oft wieder zur Verfügung.
Fazit
Der Engpass im Turnaround sind selten Werkzeuge, sondern Menschen, die Anlage und Methode zugleich beherrschen. Diese Menschen lassen sich ausbilden – am besten aus denen, die die Anlage schon kennen. Für Sie als Betreiber heißt das: Planer, die Ihre Anlage und den ganzen Ablauf eines Turnarounds verstehen – und ein Partner, der ehrlich sagt, wofür jemand schon bereit ist und wofür noch nicht.
So setzen wir das um
In erster Linie übernehmen unsere technischen Abteilungen die Planung als Leistungspaket: technische Planung, Terminplanung und Koordination des Stillstands aus einer Hand – und wir stehen für das Ergebnis ein. Brauchen Sie stattdessen einzelne Fachleute in Ihrer eigenen Organisation, stellen wir sie über Staffing bereit, per Arbeitnehmerüberlassung, Dienstvertrag oder Direktvermittlung. Und wenn Sie dieses Wissen im eigenen Team aufbauen wollen, schulen wir dieselben Inhalte auch für Kundenteams – inhouse mit Ihren Anlagen und Terminplänen, an unseren Standorten oder projektbegleitend.
Ihr nächster Stillstand braucht technische Planung und Terminplanung – als Leistungspaket oder als Verstärkung Ihres Teams? Nehmen Sie Kontakt auf – wir melden uns innerhalb eines Werktags und sehen uns Ihre Ausgangslage gemeinsam an.
Häufige Fragen
Wie schnell können Sie technische Planer stellen?
Aus unseren eigenen Turnaround-Teams oder, wenn zusätzliche Fachleute gebraucht werden, über Staffing: Gängige Turnaround-Rollen besetzen wir in der Regel innerhalb weniger Wochen. Bei Stillstandsspitzen empfehlen wir zwei bis drei Monate Vorlauf – dann sind die erfahrenen Leute noch nicht gebunden.
Welche Vertragsmodelle sind möglich?
Übernehmen wir ein abgegrenztes Leistungspaket – etwa die technische Planung und Terminplanung eines Stillstands –, geschieht das im Werkvertrag, und wir stehen für das Ergebnis ein. Stellen wir einzelne Fachleute über Staffing, gibt es drei Modelle: Arbeitnehmerüberlassung mit gültiger Erlaubnis, Dienstvertrag und Direktvermittlung. Welches Modell zu Ihrem Einsatz passt, klären wir vorab gemeinsam.
Wer ist während des Einsatzes wofür zuständig?
Das hängt davon ab, wie Sie uns einsetzen. Übernehmen unsere Kernteams ein Leistungspaket, führen wir die Arbeit selbst und stehen für ihre Qualität ein. Stellen wir einzelne Fachleute über Staffing, setzen Sie den Qualitätsstandard, geben die Aufgabe vor und entscheiden, ob eine Person bleibt oder wechselt; wir behalten die Linien- und die disziplinarische Führung, kümmern uns um Vertrag und Einsatzplanung und stellen Ersatz, wenn jemand ausfällt.
Setzen Sie Academy-Geschulte auch als Turnaround-Manager ein?
Nein. Führungsrollen in großen Stillständen besetzen wir mit Fachleuten, die solche Rollen bereits verantwortet haben. Academy-Geschulte starten in Planungsrollen und wachsen über Projekte in Lead-Rollen hinein.
Können Sie auch unser eigenes Team schulen?
Ja. Die Formate reichen vom Einzel-Coaching für eine neue Rolle bis zum mehrtägigen Workshop für eine komplette Turnaround-Organisation – inhouse, an unseren Standorten oder projektbegleitend.
Quellen: Institut der deutschen Wirtschaft, Pressemitteilung vom 15.06.2026 („Babyboomer in Rente: Bis 2036 fehlen 4,3 Millionen Arbeitskräfte“) · Turnaround Leuna 2025 (ep-cm Blog) · Leistungsseiten Staffing und Academy (ep-cm.com)